Spätburgunder Charme

Karsten Peter: Spätburgunder Charme "R" 2022

2
Spätburgunder 100%
5
rot, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2026–2037
Verpackt in: 6er
9
frische Säure
pikant & würzig
3
Lobenberg: 98/100
Suckling zu 2021: 95/100
6
Deutschland, Pfalz
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Spätburgunder Charme "R" 2022

98
/100

Lobenberg: Als rotes Pendant zum Mineral R ist das hier eine Auskopplung aus der besten Partie des regulären Charme. Im Prinzip eine Einzellage in Leistadt, die perspektivisch auch als Lage gefüllt wird. Das ist natürlich immer auch ein Risiko, denn Karsten möchte keinesfalls den Charme schwächen, indem er hier sein Lieblingsfass nicht in den Blend fließen lässt. Das hat hier aber so wunderbar funktioniert. Etwa jeweils 50% entrappt und ganze Trauben in 2022. Fast nur Überschwallen, kein Unterstoßen, eine ganz zarte Vinifikation. Ausbau in gebrauchten Barriques von burgundischen Edeltonnellerien. Wir haben im 2022er noch mehr Eleganz und Finesse, eine deutlich frankophilere Stilistik, aber ohne, dass der Wein als eine Burgundkopie daherkommt. Sehr duftige Nase, verspielt und total fein. Aber das hier hat noch mehr Tiefe, das ist dichter, dunkler, konzentrierter. Fast dunkle Feuersteinnuancen, Erdigkeit mit roter Frucht auf satter Rauchunterlage. Dunkle Himbeer- und Kirschnoten, Blutorange, ein Hauch Graphit, Schießpulver. Steinig aber null karg. Sandelholz mit feiner Würze. Am Gaumen mit so unglaublich hoher Finesse und Salzigkeit. Das ist lang, salzig und zupackend, zugleich viel Samt und Seide in Tanninform. Süße Frucht dahinter, salzige Himbeere spielt hier die Hauptnote. Karsten möchte keine Burgund-Kopie erstellen, aber mich erinnert das doch durchaus etwas an Vosne-Romanee. Weil es eben elegant ist, so feines Tannin hat, so geschliffen und feinkörnig aber mit durchdringender Tiefe, beeindruckender Struktur und Länge. Großartiger Stoff.

Jahrgangsbericht

All in all der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen! An Vorurteilen gegenüber solchen Witterungsverhältnissen mangelt es uns als weinbauliche Nord-Nation ja nicht. Von den Winzern hatten wir aber schon einiges Erfreuliches gehört. Mit ein klein wenig gesunder Skepsis, aber gewaltiger Vorfreude starteten wir direkt nach der ProWein in unsere vierwöchige Verkostungsreise durch Deutschland. Schon wieder ein Rekordsommer also. Da geht das Kopfkino los. Wird ein Tim Fröhlich vor uns sitzen, der mit kaltschweißiger Stirn erstmals zugeben muss, dass die Star Wars-Ära endgültig vorbei ist? Keine surrenden Laserschwerter in den Fässern?! Knackt der immer trockener werdender Oliver Haag mit seiner Juffer-Sonnenuhr den historischen Brauneberger Alkoholrekord? Und wann wird Konrad Salwey wohl geerntet haben – Ende Juli? Wir waren ja auf alles gefasst. Doch dann glitzern die ersten Weine im Glas: fein, leichtfüßig, harmonisch, zugänglich und …elegant! 12% Alkohol! Wow!! Das glaubt einem ja keiner, der es nicht selbst auf der Zunge hatte. Der Jahrgang zeigt – bei den von uns verkosteten Weingütern, anders als etwa 2003 und 2018 – im Jungstadium kaum Anzeichen eines extremen Hitzejahres. Verblüffend. Mit der fortschreitenden Mediterranisierung der klimatischen Verhältnisse geht die Schere zwischen progressivem Weinbau und den geeignetsten Standorten und allem anderen immer weiter auseinander. Wir sehen das von Frankreich über Italien, Spanien und eben auch in Deutschland. Jeder hat mit sich ungeahnt rasch verändernden Bedingungen zu kämpfen. Doch wer im An- und Ausbau nicht vor 10 Jahren stehengeblieben ist, der beherrscht – fraglos mit teils immensem Arbeitseinsatz und Commitment – selbst solche dramatischen Trockenphasen und massive UV-Intensität. Fakt ist aber auch, dass die deutschen Top-Winzer in kaum einem Jahrgang zuletzt so viel abgestuft haben, so penibel waren in ihrer Traubenselektion und so hart mit der Auswahl der Gebinde bei der Cuvetierung. Lange wurde nicht mehr so viel Wein im Fass wegverkauft, gerade auch aus den jüngeren Rebanlagen und ultratrockenen Standorten. So selektiv wie die Winzer sollten auch wir Weintrinker mit dem Jahrgang sein. Wer sich auf Top-Lagen, Top-Weinbau und Top-Betriebe fokussiert, wird ein Füllhorn an atemberaubend guten, wunderbar eleganten Weinen finden. 2022 ist kein Jahr zum wahllosen Draufloskaufen. Denn von Bordeaux über die Rhône bis nach Deutschland sind sich Winzer in einem einig: einfach war der Jahrgang nicht. Trotz Jahrhundertsommer wurden mitnichten aus jedem Weinberg einheitlich große Qualitäten geerntet. Denn in 2022 ist durch die paradoxe Transparenz der Weine ein faszinierend klares geschmackliches Abbild der Terroirs zu erkennen – und damit auch der feinsten klimatischen Unterschiede. Rebalter, lokale Regenmengen, Wasserhaltefähigkeit, Bewirtschaftung, Laubarbeit, Erntezeitpunkt. Diese Details zählen in einem so extremen Jahr wie 2022 noch mehr als sonst. Denn selbst die kleinsten Fehlentscheidungen oder Defizite der Standorte werden von den Weinen kanalisiert. Der Jahrgang mag auf den ersten Blick nicht so durch die Bank makellos strahlen wie es vielleicht ein 2019 tat oder so mitreißend rassig wie 2021 aus dem Glas kommen. Wir sind eher bei eleganter Frucht ohne Üppigkeit, bei sehr balanciertem, reifem Säurespiel und Zugänglichkeit wie sie auch die schicken Jahre 2020, 2017 oder 2012 hatten. In der Spitze versprechen manche 2022er auf Augenhöhe mit den genannten zu sein – und zeigen Potenzial womöglich sogar darüber hinauszuwachsen. Einige Weine sind berauschend gut. Was für ein unendlich feiner, kühler, kraftvoller Morstein bei Wittmann, Christmanns Hammer-Idig, ein superintensives Ungeheuer bei Bürklin, ungeahnt tänzerisch-leichtfüßige, brillante Kabinette von Saar und Mosel, eine superbe Kollektion bei Luckerts, eine Juffer-Sonnenuhr bei Haag, die keinen Alkoholrekord bricht, sondern mit feingliedrigem Zug glänzt und ganz große Klasse auch bei Loewen. Es gibt so viel Grandioses zu entdecken in diesem Jahr und ich denke auch Weltklasse war drin. Weil der Jahrgang sich regional so unterschiedlich präsentieren kann, habe ich mich entschlossen kleine Abrisse der Regionen zu skizzieren. Genauere Details finden Sie in den neuen Verkostungsnotizen. Tauchen wir also ein ins heterogene, faszinierende, verführerische und teils so überraschend feine 2022, das viele Anklänge von 1999 (trockener Sommer, Regen im September), der Köstlichkeit von 2009 und dem ebenfalls verblüffend delikaten 2020 hat.

95
/100

Suckling zu 2021 über: Spätburgunder Charme "R"

-- Suckling zu 2021: A new German pinot noir star is born! What a sensational nose of sour cherry, blood orange and red beets this has! Also notes of wet earth and flint. What a fantastic velvety mouthfeel and mineral freshness! Long finish with stacks of fine tannins. Very limited production. From organically grown grapes. Drink or hold.

Mein Winzer

Karsten Peter

Karsten Peter ist ein Wandler zwischen den Welten, sein steter Begleiter ist dabei der Riesling – aber eben nicht nur! Als Mastermind hinter den Weinen von Gut Hermannsberg hat er den Kultbetrieb wieder zu alter Größe geführt, nun startet er zusätzlich auf seinem Familienweingut in der Pfalz durch.

Spätburgunder Charme