Riesling Brauneberger Juffer Sonnenuhr Großes Gewächs 2023

Fritz Haag: Riesling Brauneberger Juffer Sonnenuhr Großes Gewächs 2023

VDP

Zum Winzer

96–98
100
2
Riesling 100%
5
weiß, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2030–2054
Verpackt in: 6er
9
mineralisch
frische Säure
3
Lobenberg: 96–98/100
Suckling: 96/100
Weinwisser: 95–96/100
6
Deutschland, Mosel Saar Ruwer
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Brauneberger Juffer Sonnenuhr Großes Gewächs 2023

96–98
/100

Lobenberg: 2023 ist dieses hochintensive, kraftvolle und zugleich wahnsinnig frische Jahr. Ein Oszillograph wie 2019, von allem viel, alles kracht und doch ist es ein feines Jahr. Ganz erstaunlich. Die beste Lage in Brauneberg und eine der besten Lagen an der Mosel überhaupt. Der leichteste Schieferboden und zugleich eine warme Exposition. Normalerweise ist die Juffer-Sonnenuhr immer etwas feiner statt kraftvoller. Ausbau Großteils im traditionellen Holzfass, ein paar Partien haben ein paar Stunden Maischestandzeit bekommen. Das hat Oliver in diesem Jahr etwas verstärkter eingesetzt, um die Säuren etwas abzurunden. Es ist schon erstaunlich, dass die Qualität der Lage sich im Grunde bei Fritz Haag nicht durch Lautstärke und krachende Kraft auszeichnet, sondern durch mehr Finesse. Man spürt den Umschwung auf die Sonnenuhr vom Juffer GG kommend ganz klar. Es wird noch feiner, subtiler. Sehr eng verwobener, dichter Fruchtausdruck, tabakig, schiefersalzig, herbsaftig, mit Quittenbirne und grüner Mango. Konsequent trocken im Mund, dadurch sticht die Salzigkeit noch mehr hervor, aber die Juffer-Sonnenuhr ist klar feiner und konzentrierter als die Juffer daneben. Im Kern ist es ein geschmeidigerer, samtigerer Wein, der eine ganz feine innere Dichte aus seinem Mineralkern ausstrahlt. Das ist die feinste Juffer-Sonnenuhr seit 2019.

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

96
/100

Suckling über: Riesling Brauneberger Juffer Sonnenuhr Großes Gewächs

-- Suckling: All the floral beauty and filigree of this great site are packed into a sleek silhouette. Wonderfully racy and vibrant, this youthful dry Mosel masterpiece barely weighs in as medium-bodied, but is incredibly expressive. Then comes the amazingly long, deep and delicate wet stone finish. Drinkable now, but best from 2026.

95–96
/100

Weinwisser über: Riesling Brauneberger Juffer Sonnenuhr Großes Gewächs

-- Weinwisser: Schiefermineralischer Duft mit pointierter Zitrusfrucht, Blütenstaub, Ingwer und Kräuterwürze. Boah,das nimmt einem erstmal den Atem, so prägnant ist das. Im Mund ein rassiger, präzisekonturierter Cool-Climate-Riesling mit mineralischer Würze vom Schiefer, engmaschig mit feiner Rasse und Pikanz. Wird von Flaschenreife profitieren.

Mein Winzer

Fritz Haag

Gelegen an der wunderschönen Mittelmosel wird hier in besten Lagen ausschließlich Riesling auf Schieferböden angebaut. Und das bereits seit dem 15 Jahrhundert im Familienbesitz! Im Weingut Fritz Haag entstehen jedes Jahr aufs neue absolute Spitzenweine, die sich in die Reihen der legendärsten...

Riesling Brauneberger Juffer Sonnenuhr Großes Gewächs 2023