Lobenberg: Die Trauben kommen aus Berzano, einem kleinen Dorf direkt neben Monleale. Der Name »Derthona«, der oft auf den Etiketten der Timorasso-Weine der Region Colli Tortonesi zu finden ist, ist übrigens der alte römische Name der Ortschaft Tortona. Die Winzer hier streben eine offizielle Unterregion mit dem Namen Derthona an, denn von hier kommen heute viele der besten Timorasso-Weine. Walter Massa – die Timorasso-Ikone unter den Piemonteser Winzern half Luca und Elena – genauso wie ziemlich allen anderen Winzern die hier Reben bewirtschaften – dabei, den passenden Weinberg zu finden, den die Familie Penna-Currado nun in Langzeit-Pacht sichern konnte. Die Trauben werden komplett entrappt, aber ungefähr die Hälfte dieses Timorasso wurde mit unangequetschten Ganztrauben vergoren, also sozusagen wie ein Orange Wine »Skin infused«. Dafür werden die Trauben während der Gärung mit wilden Hefen 12 Tage lang mithilfe eines Netzes unter der Wein-Oberfläche gehalten. Das ist wichtig, denn so oxidieren die Traubenschale nicht – sie sind noch exakt so komplett grün, wenn sie abgepresst werden, als wären sie eben erst gelesen worden! Bereits nach 10 Minuten an der Luft werden sie dann braun. Die Gärung läuft hier übrigens langsam und bei 16°Celsius auch relativ kühl ab. Ziel des Weinguts ist es, dass dieser Wein nicht nur Trinkfreude liefert, sondern aufgrund seiner Struktur und Dichte im Mund auch reifen kann. Die Traubenschalen tragen zu dieser Textur bei, und sie entziehen dem Wein zudem sowohl ein paar % vol. des Alkohol als auch die für Timorasso sonst übliche dunklere Farbe. Hier sind wir von den 14-15 % vol., die für Timorasso üblich sind, weit entfernt. Dieser Wein hat nur 12,5% vol.! Komplett im Stahltank vergoren und dann anschließend noch im Ton-Ei ausgebaut, der Wein kommt mit beinahe zwei Jahren Reifezeit auf den Markt. Brillant leuchtendes Zitronengelb mit etwas Silber. Die Nase offenbart aromatische Zitronenschalen, Zitronensaft, frische Minze und Kräuter auf expressiver und intensiver gelber und exotischer Frucht. Die zarte, dezent rauchige Mineralität ist der Ausgleich zur aromatisch kräftigen Nase. Nach und nach kommen immer mehr würzige Aromen vom langsamen Ausbau auf der Feinhefe hinzu. Im Mund hat der Wein eine herrlich cremige Dichte. Mandarine, Zitronenöl, Orangenschale, saftige Mango und Passionsfrucht – er hallt lange salzig und intensiv mineralisch nach. Mit etwas Flaschenreife wird dieser Wein mit Sicherheit noch zulegen und eine noch cremigere Textur anlegen – die präzise Frische im Mund gibt ihm zudem das Zeug für ein langes Leben. Geschmacklich ist der Stoff ein imaginärer Blend aus Top-Sancerre mit Bourgogne Blanc. Schon ziemlich einzigartiger und super interessanter Stoff, der die versprochene Trinkfreude ins Glas bringt.